• Kevin, Besitzer des Grand Hotel Kookynie.

  • "Super Pit", die größte Goldmine der Welt.

  • Haus aus der Zeit des Goldrauschs in Kalgoorlie-Boulder, einer der wenigen noch "lebendigen" Minenstädte.

  • Skulpturen von Anthony Gormley im Salzsee Lake Ballard.

Western Australia's Golden Outback

Auf den Spuren des Goldrauschs

Nach einer endlos langen Autofahrt oder einem rund zweistündigen Flug von Perth Richtung Osten gelangt man nach Kalgoorlie-Boulder, wo Ende des 19. Jahrhunderts der Goldrausch begann. Bis heute ist diese Region Australiens größtes Goldabbau-Gebiet; hier werden drei Viertel des australischen Golds gefördert.
 

Bar des Grand Hotels
Grand Hotel-Chefin
Großes Nugget
Skulptur von A. Gormley

Allein in der „Super Pit“, der größten Goldmine der Welt, werden pro Jahr 850.000 Unzen Gold abgebaut. Die Ausmaße der Mine sind gigantisch: 3,8 Kilometer lang, 1,4 Kilometer breit und 500 Meter tief ist das Mega-Loch, das rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr mit riesigen Baggern und Transportern gebuddelt wird. Ein Besuch der Aussichtsplattform lohnt!

In Kalgoorlie ist übrigens alles „super“. Diesen Eindruck muss man zumindest haben, wenn man den Aussies lauscht: die Mine supertief, die LKWs und Bagger supergroß, die Löhne der Minenarbeiter superhoch und die Steaks im Restaurant superlecker - und der Golfplatz supergepflegt... "Kal“, wie es die Einwohner nennen, ist im Gegensatz zu anderen Orten des Outbacks eine lebendige Stadt. In den Geschäften und den Gaststätten lebt noch ein bisschen der alten Goldgräber-Mentalität weiter. Die Kneipen sind einfach, und leicht bekleidete Damen hinter der Theke sorgen für kräftigen Bierumsatz bei der bunt gemischten Kundschaft. Aber keine Angst, Touristen sind durchaus willkommen, bringen sie doch etwas Abwechslung in den Alltag der arbeitenden Bevölkerung. 10 Dollar für ein kleines Bier in der Kneipe sind nicht gerade ein Sonderangebot, ist angesichts der Gehälter der Minenarbeiter für die Einheimischen aber keine allzu große Belastung: Mit rund 100.000 Dollar Jahresgehalt zählen die LKW-Fahrer in den Minen sicherlich zu den bestbezahlten Truckern der Welt. Kein Wunder, dass es Australien schwer hat, über die prosperierende Rohstoffwirtschaft hinaus weitere Industrien anzusiedeln oder gar zu halten. Die einst starke Automobilindustrie zum Beispiel hat infolge des hohen Lohnniveaus fast alle Werke geschlossen.

Die Minenarbeiter leben normalerweise nicht in der Stadt, sondern in Wohnheimen auf dem Minengelände, absolvieren eine dreiwöchige Schicht, um dann für eine Woche nach Hause zu fliegen, zum Beispiel nach Perth. Das hat dazu geführt, das fast alle früheren Goldgräberstädte nahezu ausgestorben sind.

Gold! Gold! Gold! Nicht nur Australier, auch rund 50.000 Europäer versuchten Ende des 19. Jahrhunderts im westaustralischen Outback ihr Glück als Goldgräber. Städte wuchsen, Eisenbahnen wurden gebaut – immer folgend den Pfaden des Goldrauschs, der mit dem Fund des größten Nuggets - 1136 Unzen - in den 1930er Jahren vielleicht seinen Höhepunkt erreichte.

Die echte Goldrausch-Stimmung, wo ein einzelner über Nacht zum Millionär werden konnte, ist längst vorbei. Aber immer noch versuchen viele Menschen im Outback ihr Glück. Die Grundvoraussetzung dafür ist relativ einfach: Im Mining Office von Kalgoorlie kann jedermann für eine Handvoll Dollar eine Lizenz zur Goldsuche erwerben, die ein Leben lang gilt. Nach Gold graben darf man dann allerdings noch nicht. Im zweiten Schritt muss man nämlich seinen Claim anmelden. Das gilt nicht mehr wie im 19. Jahrhundert oft auch mit Faustrecht, sondern geschieht am PC-Bildschirm des Mining Offices. Gehört das gewünschte Stück Land dem Staat und wird es nicht bereits von jemandem anderen beansprucht, dann kann man loslegen; man muss sogar innerhalb eines gewissen Zeitraums loslegen, um die Schürfrechte nicht wieder zu verlieren. Das erforderliche Equipment und die Schutzkleidung vor giftigen Schlangen gibt es für ein paar Tausend Dollar in Kalgoorlie im Laden.

Von der privaten Goldsuche können nur sehr wenige Leben, für einige Einwohner von Kalgoorlie-Boulder ist die Goldsuche aber eine durchaus lukrative Freizeitbeschäftigung. So selbstverständlich wie in Deutschland der Strebergarten wird hier der eigene Claim beackert. Meist geht man leer aus, aber in selten Fällen finden sich Nuggets von vier- und fünfstelligem Wert.

Die Minenstadt Kalgoorlie-Boulder leistet sich einen vorzüglichen Golfplatz und den Golffields Golf Club. Aber weltweit einzigartig ist Nullarbor Links, der mit 1362 Kilometern längste Golf Course der Welt. Mehr darüber auf golf-genuss.de.

Auf den Spuren der Vergangenheit kann man heute entlang des  knapp 1000 Kilometer langen Golden Quest Discovery Trails durch ehemalige Goldgräberstädte wie Coolgardie, Menzies, Kookynie und Gwalia reisen. Die meisten dieser Ortschaften sind menschenleer, Scharen von unabhängigen Goldsuchern gibt es ja schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

In Kookynie (200 Kilometer nördlich von Kalgoorlie) lebten anfangs des 20. Jahrhunderts rund 1500 Menschen, heute sind es noch etwa ein Dutzend. Damals gab es drei Hotels, eine Brauerei und einen Bahnhof. Heute kennen die beiden Besitzer des Grand Hotels Kookynie, Margret und Kevin, die wenigen Gäste meist persönlich. Über Nacht bleibt kaum jemand, die Zimmer sind winzig und optisch fast auf dem Stand der Eröffnung im Jahre 1902: Für maximal 17 Gäste gibt es in dem von den Besitzern mit viel Liebe erhaltenen Haus nur ein Bad. Kevin blieb hier vor 34 Jahren hängen und verdient heute sein Geld als Betatester von Google – fernab der Zivilisation, die Satellitenschüssel machts möglich. Weder Internet-Fachmann, noch Küchenchef eines „Grand Hotels“ hätte man von ihm erwartet. Seine 72-jährige Frau Margret schmeißt seit 29 Jahren die Bar und erzählt wunderbar aus vergangenen Zeiten. Immerhin: Auch heute noch kommt es vereinzelt vor, dass Goldsucher hier für Speis & Trank mit Nuggets zahlen.

In der „Geisterstadt“ Gwalia, drei Autostunden von Kalgoorlie entfernt, können Unterkünfte und Geschäfte aus der Zeit des Goldrauschs und eine offen gelassene Mine besichtigt werden. Die Stadt hatte einst die zweitgrößte Goldmine und die erste Straßenbahn Westaustraliens. Das ehemalige Wohnhaus des Minenmanagers Herbert Hoover, der später 31. Präsident der USA wurde, ist gut erhalten und dient heute als Gästehaus.

Mitten im Outback liegt Lake Ballard, ein riesiger Salzsee. Hier schuf der britische Künstler Antony Gormley 2003 im Rahmen des Perth International Art Festivals 51 Skulpturen, die Bewohner der etwa 50 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Menzies darstellen. Wenn es nicht geregnet hat, kann man mit festem Schuhwerk über den Salzsee von Skulptur zu Skulptur wandern und den Hügel besteigen. Ein unglaubliches Schauspiel!

 



Text & Fotos (c) U. Clef

 

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